Abschalten Deluxe im Suvretta House

Im Juni startete das Suvretta House in St. Moritz die neue Sommersaison. Bereits nach wenigen Wochen zeigt sich: Das traditonsreiche Grandhotel ist sich mustergültig treu geblieben.

Eingebettet in eine malerische Bergkulisse und umgeben von einer ausgedehnten Parklandschaft erhebt sich das Suvretta House zwischen dem St. Moritzer- und dem Silvaplanersee auf dem Chasellas-Hochplateau. Seit 1912 zieht das Fünfsterne-Hotel mit seinen zwei markanten Türmen anspruchsvolle Besucher aus aller Welt in seinen Bann. Entsprechend eindrucksvoll liest sich die Gästeliste. Diverse Könige, Maharadschas, die Fürsten von Metternich und Bismarck und Charlie Chaplin haben das vornehme Hideaway bekannt gemacht. Auch Mohammad Reza Pahlavi, der Schah von Persien, zählte zu den langjährigen Stammgästen.

Regie in dem Luxushotel führen seit 2014 Esther und Peter Egli. Sie sind Gastgeber aus Leidenschaft und lassen es sich nicht nehmen, jeden Ankömmling persönlich zu empfangen und zu verabschieden. Wichtig ist ihnen vor allem ein perfekter Service. „Unsere Mitarbeiter sind die Seele des Hauses“, sagt Hoteldirektor Peter Egli. Das spiegelt sich im gesamten Haus wider: vom Frühstück bis zum Concierge zeigt sich das gesamte Team herzlich, fürsorglich und authentisch. Kaum Wunder, dass das Suvretta House Ende Mai von Schweiz Tourismus, Hotelleriesuisse, GastroSuisse, der Ecole Hôtelière de Lausanne und der Universität Bern den Prix Bienvenu für das „freundlichste Hotel der Schweiz“ erhielt. Afternoon Tea_HotelhalleSuvretta-Gäste sind ebenso verschwiegen wie diskret – und wollen wie ganz “normale” Menschen behandelt werden. Das Haus ist keine Heimat für die Spaßgesellschaft, Prunk und Protz haben anderswo in St. Moritz ihre Präsentationsplattform. Die meisten Besucher kommen aus der Schweiz, gefolgt von Deutschland und Großbritannien. Englische Gepflogenheiten sind überall im Hotel präsent. In der Hotelhalle etwa lässt sich der Afternoon-Tea einnehmen, den Abend lässt man bei einem Gin-Tonic in der  Art-Déco Bar ausklingen. Sie ist nach dem Hotelgründer Anton Bon benannt und  hält rund 40 unterschiedliche Wacholder-Elixiere aus aller Welt bereit. Die Karte des im vergangenen Sommer gegründeten „Gin’Ius Club“ liefert zu jedem einzelnen Gin eine Erklärung und eine aufschlussreiche Anekdote. Seit kurzem ergänzen der “Lady’s Gin” und “Gentleman’s Gin” die Auswahl. Beide ausschließlich im Suvretta House erhältlichen Neuzugänge werden auf einem Biohof in der Innerschweiz gebrannt.

Für das breite kulinarische Angebot gibt Executive Küchenchef Fabrizio Zanetti seit zwei Jahren den Takt vor. In der Hochsaison arbeiten ihm bis zu 45 Köche zu. Der 37 Jahre alte gebürtige Bündner ist in St. Moritz aufgewachsen und wollte nie etwas anderes tun als kochen. Mit 16 begann er als Lehrling im Badrutt’s Palace Hotel. Sein weiterer Weg führte ihn ins Zürcher „Baur au Lac“ und das „Castello del Sole“ in Ascona. Zu den Highlights seiner Karriere gehört sein Engagement als Sous-Chef im Savoy Grill von Gordon Ramsey in London, die Leitung des Gourmetrestaurants „Cà d’Oro“ in St. Moritz sowie mehrere Gastspiele bei Kempinski in China.

Zanetti in Grd Rest 2 - KopieIm Suvretta House hat er sich einen Traum erfüllt: „Ich wollte schon immer etwas von der Welt sehen und dann wieder zurückkommen, um in einem der großen Häuser am Ort Küchenchef zu werden.“ Es dürfen nicht zu viele Komponenten auf den Teller, lautet eine seiner Maximen, „sie müssen von bester Qualität sein und eine leichte Kombination ergeben. Das Einfache ist oft das Schwierigste.“ Die positive Resonanz seiner Gäste gibt ihm Recht, der Gault Millau würdigt sein Wirken mit 14 Punkten.

Im Grand Restaurant gilt der Dresscode „dunkler Anzug mit Krawatte oder Smoking“ – auch hier lässt Britannien grüßen. Man diniert unter einer reich verzierten, 100 Jahre alten Kassettendecke. Gerichte wie Hummersalat mit Mandarinen, Nüsslisalat und Schwarzwurzeln, Atlantik Wildfang Wolfsbarsch in der Salzkruste oder im Heu gegarter Lammrücken zeugen von seinem kulinarischen Selbstverständnis.

Auch Vegetarier müssen bei Küchenchef Zanetti nicht darben: Das konfierte Eigelb vom Landhuhn auf Misocreme mit Algenspitzen und Ponzu-Gelee oder die Schupfnudeln mit grünen Spargelspitzen auf Waldpilzkompott und schwarzem Trüffel lassen erst gar keine Lust auf Fleischliches aufkommen.

In der Suvretta-Stube geht es informeller zu. Hier steht die zeitgemäße Interpretation regionaler Produkte und Schweizer Spezialitäten im Vordergrund, etwa Engadiner Caesar-Salat mit Baby-Lattich, Salametti, Wachtelei und Birnenbrot, Käsefondue oder „grillierte“ Bündner Lammkoteletts.

Grand Rest ServiceAnspruchsvolle Carnivoren goutieren ebenso das Kalbssteak vom heißen Stein wie ein Black Angus-Entrecôte vom Holzkohlegrill oder die gefüllte Perlhuhnbrust mit  Morchel-Ragout und Rosmarin Jus. Meerestier-Fans wiederum kommen beim atlantischen Wolfsbarschfilet in Provenzal-Kruste mit Rahmfenchel auf den Geschmack. Exotische Akzente setzt Stuben-Küchenchef Isaac Briceño Obando mit costa-ricanischen Spezialitäten aus seiner Heimat.

Wenige Gehminuten entfernt schmiegt sich das Bergrestaurant Chasellas in 1936 Metern Höhe an den Hang. Die Symbiose aus Marktküche und italienischer Haute Cuisine spricht Besucher der gesamten Region an. Ein längst zum Klassiker gewordener Geheimtipp in dem kleinen Chalet mit seinen 45 Plätzen ist das Backhendl mit warmem Kartoffelsalat.

Zu den Highlights des Frühstücks zählt neben dem ausgezeichneten Service und dem überwältigenden Bergblick von der Terrasse die große Brotauswahl. Das Hotel verfügt nämlich über eine eigene Bäckerei, in der ab drei Uhr morgens Brötchen, Gipfeli und Co. zubereitet werden.

Gleichwohl ist es nicht allein die vielseitige Kulinarik, die das Suvretta House prägt. Das Freizeitangebot sticht ebenso hervor. Im Winter wartet das weilläufige Skigebiet von Corvatsch und Corviglia. Das Suvretta House verfügt nicht nur über eine eigene Ski-Schule – die einzige in der Schweizer Luxushotellerie – sondern auch über einen hoteleigenen Skilift, der die direkt ins Skigebiet bringt. Am Nachmittag nimmt man entweder die direkte Abfahrt zum Hotel oder auf Skiern ins Zentrum von St. Moritz, von wo der hauseigene Bus halbstündlich zurückfährt.

Der Sommer lädt zum Klettern, Wandern, Golfen, Kitesurfen – oder einem Match auf dem hauseigenen Tennisplatz ein. Abschalten Deluxe bietet das Event-Programm „Fit and Fun with Suvretta House“, das die Gäste kostenlos nutzen können. Ob eine Segelbootfahrt unter Anleitung eines erfahrenen Skippers auf dem Silsersee, Canyoning in den Südtälern Graubündens, Bergsteigen auf dem Diavolezza oder auch Segelfliegen – hier hat jeder Outdoor-Fan seinen Spaß.

Fotos: Suvretta House, Christian Euler