Bacaró- eindeutig Commissario Brunettis Fall…..

Ein Bacaro ist die venezianische Form einer Osteria, einer italienischen “Enoteca con Cucina”.  Wahrscheinlich wird der Begriff von Bacchus, dem Gott des Weines, abgeleitet. Es könnte aber auch seine Ursprünge von dem Begriff “far bacara”, was so viel bedeutet, wie ein Gelage feiern, haben. So nannte man seit dem 19. Jahrhundert diese Weinschenken “bacari” (in der Einzahl eben “bacaró”)

Alte Aufzeichnungen – und dies ist eine vieler Geschichten – besagen, dass apulische Weinhändler Mitte des neunzehnten Jahrhunderts mit ihren Fässern, ihren Amphoren oder Weinschläuchen nach Venedig gekommen seien, um dort ihren – im Vergleich zu den damals beliebten griechischen Süßweinen – billigeren Wein an das Volk zu verkaufen. Und zwar „open air“ auf der Piazza San Marco. Um den Wein kühl zu halten, folgten sie stets dem Schatten des Campanile-Turms. Man(n) verkaufte den Wein, Essig (Aceto) und Selbstgebranntes (grappa), die mitreisenden Frauen  kleine, hausgemachte, portionierte Happen (cichetti).

Später begannen die Winzer und Weinhändler sich selbst kleine Lokale, Bottegas und Lager zu suchen, damit der mühsame, aufwendige Transport sich nur noch auf Nachschubholen beschränkte. Diese Lokalitäten waren winzig klein, etwa nur mit einer Schank für Gläser und ein paar Stehplätzen davor. Ein paar Tücher wurden zu Markisen und alte Fässer Tische. Früher war es durchaus üblich, dass man sich sein Brot und seinen Käse zum Essen vom Markt mitbrachte und im baceró nur den Wein bestellte, wie das noch heute in bayerischen Biergärten Gewohnheit ist. Auf jeden Fall traf sich hier die Nachbarschaft aus dem Viertel. Der Hafenarbeiter war hier ebenso Stammgast wie Advokaten, die Marktfrauen wie die feinen Damen aus den hochherrschaftlichen Palästen. “Die im venezianischen Nationalcharakter angelegte Fröhlichkeit, erlaubte es allen Schichten, sich zu einem Gläschen Wein zusammenzufinden”, schrieb der Dichter Carlo Goldoni über die beliebten Weinstuben.
Leider gibt es nicht mehr so viele typische “bacari”; auch das berühmteste Beispiel , das “do mori” gleich beim Markt wird inzwischen leider von den Touristen okkupiert. Die anderen typischen bacari sind oft sehr gut in den winzigen Gassen versteckt und trotz Reiseführer sehr schwer zu finden. Zu einem guten Tag gehört bei traditionsbewussten Venezianern ein gemütlicher “giro de ombra” der gegen 11 Uhr am Vormittag beginnt und durch das eigene Viertel führt. Zum ersten “ombra”, gesellen sich im Lauf des Tages noch einige dazu. Dennoch sieht man die Venezianer selten betrunken. Sie verstehen sich zu mäßigen und suchen beim “ombra” vor allem das Gespräch.

Einige der “baceri” haben sich inzwischen zu feinen Restaurants mit hohen Preisen entwickelt, wie etwa das “Corte Sconta,” heute eines der beliebtesten Restaurants von Venedig, wo man sich Wochen im Voraus um einen Tisch bemühen muss. Der ist inzwischen auch mit weißem Damast eingedeckt, doch die Männer aus der Nachbarschaft, die hier ihren “ombra” trinken, haben nach wie vor ihre Ecke, wo sie auch eine Partie Karten spielen können.

Übrigens nannte man das Glas Wein, dass man vor Ort trank “ombra” (Schatten), weil die Händler eben immer dem Schatten des Campanile oder anderer Gebäude folgte, damit der Wein nicht warm wurde. Eine andere Herkunftsbezeichnung für den erfrischenden Schluck ist eher an der Realität orientiert.  Im Italienischen steht ” un ombra di” für eine kleine Menge von irgendetwas. Ein Ombra beschreibt also auch, dass es wirklich ein kleiner Schluck ist, lediglich 100 Milliliter. 50 000 ombre sollen in Venedig pro Tag getrunken werden.

Meist auf einer Kreide-oder Schiefertafel stehen die verschiedensten Weine der Region.  Neben der “ombra”, dem Hauswein, gibt es mehrere Weiß- und Rotweine direkt aus dem Fass und daneben immer eine wechselnde Auswahl an hochwertigen Weinen, das kann schon auch einmal ein Wein vom Gaja oder Giacosa, ein Amarone oder ein in Barrique ausgebauter Prestige-Soave sein, den es dann zu einem erstaunlich günstigen Preis glasweise zu Trinken gibt. Wasser kostet in Italien eh nur einen Bruchteil des in Deutschland aufgerufenen Preises.

Und weil man in Italien immer was essen muss, gibt’s eben seit dem diese herrlichen kleinen Happen zu essen, im Stehen . Diese „Bocconcini“ (kleine Happen), werden per Zahnstocher oder Papier in den Mund befördert, alles ist frisch und selbstgemacht. Das können kleine Brötchen mit Aufstrich, Sardellen oder einer Scheibe Wurst , ein halbes gekochtes Ei mit Kapern, Polenta mit Baccalà (Stockfisch), Bratkartoffeln, fritierte Zucchini, Melanzane oder Artischocken, kleine Pizzette, “Polpettini di Carne”, Mini-Involtini oder ein kleines Stück Mortadella sein. Und natürlich alle Arten von Meeresgetier: Überbackene Muscheln, Schnecken “in umido”, Krebse und Fischbällchen oder kleine Kraken in Essig. Und natürlich die venezianische Köstlichkeit ‘sarde in saor’, eingelegte Sardinen mit Zwiebeln, Rosinen und Pinienkernen. Die Auswahl ist endlos an den kulinarischen Reichtümern der Küche Venetiens. Hauptsache alles mundgerecht und von der Hand zu essen.

In der süßen Variante heißen diese kleinen Bissen “golossesi”.

Diese kleinen Imbisse erhält man vor allem, wenn man einen Aperitif nimmt. Sie sind meist gratis und werden unaufgefordert auf den Tisch gestellt. Da sollten sich manche deutschen Vinotheken mal eine ganz große Scheibe abschneiden.

Wer Lust auf einen “Venezianischen Abend hat…..Kann es mal unter http://www.elforce.altervista.org/ada/antipasti.htm probieren… Leider auf Italienisch, aber, ich denke, ein paar Ideen kann man sich da schon abgucken.

Wer mal hinreisen will, hier ein paar Adressen von Bacari:

Da Lele, Campo dei Tolentini 183: winzige Weinschänke in der Nähe des Bahnhofs mit einem sehr guten Prosecco della casa.

Al Volto, Calle Cavalli di San Marco 4081: altes Bàcaro mit einer Decke voller Weinetiketten.

Osteria Al Portego, S. Lio 6015: vor allem abends Treff der Jungen und jung Gebliebenen.

Cantina Do Mori, Calle do Mori 429: eines der ältesten Steh-Weinstuben nahe der Rialto-Brücke.

Alla Vedova, Ramo Ca d’Oro 3912: unter Bewohnern beliebter Ort im einfachen Cannaregio-Gebiet.

Ostaria Antico Dolo, Ruga Vecchia San Giovanni 778,; angeblich ältestes Bàcaro mit schönem Interieur und gesalzenen Preisen.

Cantinone Già Schiavi, Fondamenta Nani 992, Dorsoduro; traditionsreiche Weinhandlung in Dorsoduro.

verena di pauli  (vdp)

One thought on “Bacaró- eindeutig Commissario Brunettis Fall…..

  1. 14. Juni 2010 at 22:38

    Hallo Verena, ich denke die Adressen werde ich mit Sicherheit einmal besuchen müssen. Super vielen Dank für die tollen Tipp´s

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