Big Bottles im Sand – Eine Weinlegende wird 25

Ob sich das lohnen wird? Für einen Abend nach Sylt, nur um ein bisschen Rotwein zu trinken? Immerhin ist es Ornellaia, neben Sassicaia, Solaia und Tignanello einer der Super-Tuscans, die jeder kennt – selbst wenn er sie noch nie getrunken hat. Und der Anlass klingt auch vielversprechend: 25 Jahrgänge sind mit dem 2010 komplett. Eine kurze Zeitspanne in der Toskana, wo die großen Winzerfamilien eher in Jahrhunderten rechnen. Aber ausreichend lange, um aus einem ambitionierten Projekt einen weltweit höchst gefragten Kultwein zu machen. Besonders die raren Großflaschen erfreuen sich eines rasanten Wertsprungs sobald sie auf den Markt kommen.

Große Flaschen wird es auf Sylt vielleicht auch geben, aber welche Jahrgänge? Aus der Einladung geht das nicht genau hervor. Und wer mag noch alles kommen? Also hin, die Neugier siegt. Außerdem soll der deutsche Önologe Axel Heinz, der Macher der Weinikone, kommen.

Zwei-Sterne-Koch Hans Stefan Steinheuer auf dem Weg zur Sansibar

Als erster kreuzt Zwei-Sterne-Koch Hans-Stefan Steinheuer aus Bad Neuenahr meinen Weg im Rantumer Hotel. Er ist wild entschlossen, den Weg zur Sansibar am Strand zu Fuß zurück zu legen. Gut fünf Kilometer, noch eine Stunde Zeit, das sollte zu schaffen sein. Das Sylt-Feeling stellt sich gleich hinter der Düne ein. Und wird noch gesteigert, als das halbe Dutzend Großflaschen im Sand vor der Sansibar in den Blick gerät. Leider, so stellt sich schnell heraus, sind sie leer – alles nur Deko…

Big Bottles – Die Sansibar ganz im Zeichen von 25 Jahre Ornellaia

Beim Aperitif auf der Veranda der berühmten Strandbude herrscht erst mal großes Hallo. Sommeliers aus München, Hoteldirektoren aus Berlin, Köche von Isar, Rhein und Ahr und fast die gesamte toskanische Chefetage – das hätte schlimmer kommen können. Ornellaia-CEO Giovanni Geddes, ein schottischer Florentiner, ist als einziger mit Fliege gekommen. Er wirkt ein wenig ermattet, kein Wunder – die Jubiläumstour durch die halbe Welt währt schon ein paar Wochen. Aber den Tipp, wie ich in dem Champagner-seligen Gewusel Axel Heinz aus machen kann, gibt er mir noch: “You’ll easily recognize him. He has a lot of hair…”

Und das ist nicht übertrieben. Der Mann mit der kastanienbraunen Lockenmähne wirkt erstaunlich jung. Seit 2005 ist er für einen der berühmtesten Weine der Welt verantwortlich. Damals war er 33 und hatte zehn Jahre in Bordeaux hinter sich – aber nicht unbedingt bei den allerersten Adressen. Seine Bewerbung um die gerade frei gewordene Stelle war trotzdem erfolgreich. Warum? “Ornellaia wollte damals gerne einen Deutschen mit umfassenden Fremdsprachenkenntnissen, um die Internationalität weiter voran zu bringen. Und ein Gegengewicht zum zuweilen kreativen Chaos in Italien sollte es außerdem sein.” Auch die Jahre in Bordeaux waren Voraussetzung, so war es schon bei seinem Vorgänger – denn Ornellaia ist ein Bordeaux-Blend. Deshalb erlebte Heinz auch keinen Kulturschock: “Die Rebsorten sind ja dieselben.” Aber nicht die Winde: “An der Gironde sind die mild und segensreich, aber am Mittelmeer ruppig und önologisch eine Herausforderung.”

Mitgebracht hat der charismatische Weltbürger drei Dutzend 0,75l-Flaschen Ornellaia eines einzigen Jahrgangs – aus dem problematischen Jahr 2010: untypisch kühl, nicht mediterran opulent, geprägt von später Reifung. “Irgendwie passend zu dem kühlen Sylter Sommerabend,” resümiert der Star-Önologe mit sympathischer Offenheit.

Winemaker Axel Heinz

An den Tischen macht sich indes Enttäuschung breit. Nur ein Jahrgang Ornellaia, obendrein ein eher schwacher und viel zu junger? Auch das kulinarische Feuerwerk aus Sansibar-Evergreens und der ebenso lässige wie effiziente Service rettet die Laune nicht bei jedem. Der Abend droht zu kippen.

Aber dann entfaltet der Ort seine Magie. Unter den Heizstrahlern auf der Veranda nimmt das Kultwein-Jubiläum einen zweiten Anlauf. Bei kubanischen Zigarren und Champagner (2005er Roederer aus der Magnum) hellen sich die Feintrinker-Mienen schnell auf. Gastronomische Helden wie Paula Bosch, Jörg Müller, Ralf Bos, Hans-Stefan Steinheuer und Claudia Stern stellen ihre Partytauglichkeit unter Beweis. Zum Glück hat die Sansibar noch ein paar Flaschen im Keller, die jedem und jetzt schon schmecken – 2004er Wehlener Sonnenuhr von J.J. Prüm an der Mosel oder 2009er A von Klaus-Peter Keller in Rheinhessen. Riesling statt Rotwein! Wer jetzt noch dabei ist, hat sich auch eine Frage beantwortet: Ja, die Reise hat sich gelohnt.

Text: Stefan Quante

 

One thought on “Big Bottles im Sand – Eine Weinlegende wird 25

  1. 7. Juli 2013 at 22:38

    Without it, and today it still makes for one who
    is not one, which has lost. Read the cleansing instructions on
    the ripeness of the smaller cities nearby. It’s the third-longest such run in this state has felted up able to identify the fruit and where it was grown.

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