Der gute Hirte von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Herrmannsdorfer Landwerkstätten Symbiotische Landwirtschaft
Herrmannsdorf 7
85625 Glonn
www.tierisch-gut-leben.info

Ein Besuch in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten, der zum Nachdenken anregt und die eigenen Essgewohnheiten verändern kann.

Karl Ludwig Schweisfurth, der Begründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten, lud uns zu einer “Tour d’Horizon” ein, gleichsam als Spaziergang durch sein bisheriges Leben: von seinen, nicht nur beruflichen Anfängen, Brüchen und Neuanfängen, bis in die heutigen Tage. Eine unglaubliche Geschichte, die aber zeigt, was ein Mensch erreichen kann, wenn er, mit Herz und Hirn, bereit ist seinem Leben eine andere Richtung zu geben.

Seine Vision: Statt das größte fleischverarbeitende Unternehmen Europas zu leiten, eine – global gesehen – “kleine” Farm aufzubauen, auf der Tiere, bestens versorgt und gepflegt ein schönes, artgerechtes Tierleben leben können und die Schlachtung mit größtmöglicher Würde und Respekt vor dem Tier erfolgt.

Wenn man weiß, woher Herr Schweisfurth kommt, dann wird klar, er kennt sich mit konventioneller und  industrieller Fleischerzeugung  aus. Als junger Mann ging er nach Amerika, um dort zu studieren. Nach seiner Rückkehr baute er mit dem dort erworbenen Wissen die Metzgerei seines Vaters zur größten Wurstfabrik Europas aus. Jahrelang galt für ihn nur »Herta – wenn’s um die Wurst geht« – bis seine Kinder größer wurden und keiner der drei sein Imperium übernehmen wollte. Sie hatten wenig von ihrem Vater gehabt und wollten nicht so leben wie er: ständig eingesperrt in das “Hamsterrad” der Fabrik. Doch das sollte sich ändern: Herr Schweisfurth verkaufte seine Firma und erwarb ein schönes Stück bayerischer Erde bei Glonn (Landkreis Ebersberg) und mischte die Karten neu. Hier sollte eine ökologischer arbeitender, bäuerlicher Betrieb entstehen. Und das in einer Zeit, in der Kinder noch fast ausschließlich Industriewurst aufs Pausenbrot bekamen und Erwachsene mit Gelben Rüben im Brotzeitkorb als “Müsli” verspottet wurden. Die Bio-Welle war gerade erst zaghaft im Anrollen und es benötigte eine starke Überzeugung von der Richtigkeit der Idee, um sich auf diesen langen und schwierigen Weg zu begeben. Aber jetzt, nach gut 20 Jahren, kann man sagen, das es die richtige Entscheidung war. Mittlerweile hat sich Herr Karl Ludwig Schweisfurth aus dem aktivem Geschäft zurückgezogen und seine Kinder führen das Gut. Der Betrieb hat sich prächtig entwickelt: Es wird in den Landwerkstätten gebacken, geschlachtet und im Hausladen verkauft. Im Restaurant oder Biergarten werden die Produkte angeboten und man kann sich von der Bio-Qualität und dem Geschmack der Produkte überzeugen. Natürlich stellt sich auch hier die Frage, auf ob man überhaupt Fleisch essen sollte? Viele, darunter auch ich, werden den Geschmack nicht missen wollen, aber wir sollten darüber nachdenken, wie oft und in welcher Qualität? Denn je mehr Fleisch wir essen, um so mehr Tiere müssen “produziert” werden und dieses auch noch in immer schnellerer Zeit. Tiere aus des Massentierhaltung sind für Krankheiten leichter anfällig und diese können über die Nahrung auf den Menschen übertragen werden (“Die Nahrung soll Deine Medizin sein – Deine Medizin soll Deine Nahrung sein”. Hippokrates). Also: Weniger, dafür hochwertiges Fleisch essen, bewusster verzehren und genießen lernen.

Wie er selbst sagt, hat Karl Ludwig Schweisfurth hat in seiner ersten Lebenshälfte einiges falsch gemacht. Deshalb nutzt er jetzt die “richtige Hälfte”, um seine Botschaft zu übermitteln und über  Nahrung und Ernährung nachzudenken und sich für gesunde Ernährung einzusetzen. Auch nach der Übergabe der Herrmannsdorfer Landwerkstätten an seine Kinder wollte er nicht davon lassen und behielt sich vier Hektar für seine Forschungszecke. Dort baut er an und entwickelt weitere Ideen, z. B. die “symbiotische Landwirtschaft” wie er sie nennt. Hier laufen Schweine und Hühner gemeinsam auf dem Feld herum und wühlen in der Erde. Die Hühner picken den Schweinen die Fliegen vom Fell, und die Schweine durchwühlen die Erde. Wenn das Stück Erde komplett durchwühlt ist, wird die Koppel umgesteckt und ein neuer Abschnitt wird “beackert”. Dies ist seine Art der Koppelwirtschaft. Und ein wenig ist es so, wie es viele Jahrhunderte lang war, als noch ausschließlich traditionelle Landwirtschaft betrieben wurde und der Mensch in enger Beziehung zu seinen Nutztieren stand.

Ein weiteres Projekt von Karl Ludwig Schweisfurth ist das Kinderdorf, in dem Schulklassen wie im Ferienlager leben und sich selbst versorgen können. Herr Schweisfurth erzählt den Kindern Geschichten über die Erde, was auf, in und von ihr lebt und wie man sie schätzen lernt: Mikroorganismen wohnen dort und Tiere leben davon, Blumen und Pflanzen wachsen darauf und Tiere ernähren sich davon. “Spuckt nicht auf die Erde, denn wir ernähren uns von den Tieren. Werdet euch klar darüber das jedes Tier, das ihr streichelt, auch geschlachtet wird.” Die Kinder lauschen dem “Opa Schweisfurth” mit “großen” Ohren zu und fangen an, diesen Teil des Leben zu verstehen und nicht gedankenlos mit dem Essen umzugehen. Wäre dieses Wissen unter uns allen mehr verbreitet, wir wären einen Schritt weiter auf den Weg zu einer bewussten, gesünderen Ernährung.

Zum Abschluss unserer “Reise” durften wir dann noch Herrmannsdorfer Produkte verkosten und mit Herrn Schweisfurth über die eine oder andere Idee sprechen. Natürlich auch darüber, was man tun könnte, sollte müsste . . .  Es entwickelten sich heiße Diskussionen über Jagt, Tischkultur, Essgewohnheiten von Menschen verschiedener Traditionen bis hin zu Glaubensritualen.

Aber der Hauptsatz von Herrn Schweisfurt blieb uns noch lange im Hinterkopf: “Setzen wir uns doch dafür ein, dass die Welt ein klein wenig schöner wird, als wir sie vorgefunden haben.” Denn eines ist klar – wenn wir so weiter machen wie bisher, haben wir in 20 Jahren alles “aufgefressen”. TN

One thought on “Der gute Hirte von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten

  1. Ursel
    9. August 2011 at 22:38

    Es ist noch nicht lange her, da waren wir auch draußen in Herrmannsdorf und haben einen sauguten Schweinebraten gegessen.
    Hier mein Bericht!

    http://www.youtube.com/watch?v=AbzKU63fvV0

    Gruß Ursel

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