Der Mann am Grill…

Mein Mann kocht gerne und lässt sich dabei neuerdings auch durch ein “Gourmet”-Journal inspirieren, das sowohl vom Titel als auch der optischen Erscheinung her eher an die Mitgliederzeitung der Metzgerei-Innung erinnert. Ein Blick durch dieses Heft lässt mich im ersten Moment erschaudern, wird doch konsequent der animalische Jagd- und Fleischtrieb des Mannes/Machos angesprochen. Kochbücher werden nach Gemüse-Anteil bewertet, je mehr Zucchini desto minus! Es werden Bilder von ganzen gegrillten Tieren, die noch Augen und Ohren haben gezeigt, außerdem erfährt man wie praktisch und lecker es ist, ein ganzes Huhn auf eine leere Bierdose zu stülpen und dann heiß zu grillen (auch hier ist selbstverständlich ein detailgenaues Foto abgebildet!).

Die Lektüre dieses Männermagazins gewährt mir als Frau Einblicke in die kochende und grillende Männerwelt und deren -wahrscheinlich oft unterdrückte- Sehnsucht nach Urtrieben wie Jagd, Erlegung des Jagdgutes, blutiger Zerteilung und Zubereitung des rohen Fleisches auf purem heißem Feuer. Dabei denke ich an die doch so beliebten Grillfeste und -parties, die sich zwischen Mai und September zu allen Gelegenheiten aneinander reihen. Wenn ich den Sommer, der so langsam nun dem Herbst zu weichen scheint, noch mal Revue passieren lasse, dann möchte ich doch noch mal den echten Männern danken, die sich Wochenende für Wochenende, WM-Spiel für WM-Spiel, über die rauchenden Holzkohlen beugten und im Fleischqualm ihre Familie versorgten. Weder 12 Grad und Nieselregen noch 37 Grad und Mittagshitze ließen unsere Vorstadtkrieger- und jäger davon abhalten, dicke Würstchen, fetttropfende Halsgratkotletts oder blutige Sparerips über züngelnden Flammen zu wenden. Selbst bei Sonderwünschen für vegetarische, schwangere oder einfach schwierige Zeitgenössinnen wie Auberginenscheiben, Schafskäse im Brotmantel oder Fischspießchen ließ der pyromanische Grundcharakter des Mannes nicht nach.

Danke, dass wir Frauen uns ins Trockene bzw. in den Schatten zurück ziehen konnten, gemütlich einen heißen Kaffee oder ein gut gekühltes Glas Weißwein genießen konnten. Danke, dass ihr euch für uns die Finger verbrannt, den giftigen Qualm eingeatmet und unsere Frage, wann denn der Schafskäse endlich cremig sei, geduldig beantwortet habt. Danke, dass euch zum T-Bone-Steak ein von uns gereichtes einfaches Stück Brot gereicht hat.

Danke, dass ihr am Samstag vormittag-wie all eure Grillkollegen- bei Hornbach Kohle und an der Tankstelle Fleisch geholt habt, während wir noch gemütlich die Wochenendzeitung lesen und unsere Fußnägel lackieren konnten.

Sogar um euer Bier habt ihr euch selbständig gekümmert. Wenn nun die Abende kälter und kürzer werden, liebe Männer, müsst ihr wieder drinnen essen, einen neuzeitlichen Herd verwenden und der Geruch von gebratenem Fleisch wird wieder in der teuren Dunstabzugshaube verschwinden. Dafür könnt ihr nun samstags auch die Zeitung fertig lesen, denn ab jetzt wird der Küchenplan auch mal wieder von euren Frauen übernommen, Gemüseauflauf, Spinat mit Kartoffeln oder überbackener Blumenkohl stehen auf dem Speiseplan.

So lässt sich der steigende Absatz des Fleisch-pur-Gourmetmagazins erklären. Allein die Fotos von im Feuer brutzelnden Steaks “rare bitte” lassen Männerherzen höher schlagen und …der nächste (Grill-)Sommer kommt bestimmt. LG Verena

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