Die Bonbonkocherei in Eckernförde

In der Bonbonkocherei Hermann Hinrichs in Eckernförde wird Zuckerschlecken zum Erlebnis. Gut gelaunte Bonbonkocher präsentieren dort ihr altes Handwerk und stehen für süße Fragen aller Art geduldig, ja sogar vergnügt, zur Verfügung. Auch das Haus von 1830 hat schon ganz schön Geschichte auf dem Buckel. Dort, wo heute der historische Kupferkessel brodelt, in dem auf offenem Feuer der Zucker geschmolzen wird, standen früher Räucheröfen zum Fischräuchern.
bonbonkocherei6Für eine mündliche Form der Bonbons sorgen die über 100 verschiedenen Bonbonwalzen, von denen die jüngsten 40, viele davon aber mittlerweile über 80 Jahre alt sind. Traditionell sind sie aus Messing gefertigt, nur im letzten Weltkrieg, als das Messing für Patronenhülsen herhalten musste, waren sie ersatzweise aus Stahl. Die Lieblingswalze der illustren Crew ist – äußerst passend zum Gebäude – die alte Sprottenwalze, mit deren Hilfe die unterschiedlichsten Bonbonvarianten in Fischform das Licht der Welt erblicken. Mal fruchtig, mal lakritzig, mal hustenbefreiend, aber immer sehr lecker. Auch äußerst ungewöhnliche Sorten wie z.B.  Zwiebelbonbons und welche mit Curry befinden sich im Sortiment.
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Neben der Walzentechnik wird auch mit einer alten Bonbonstanze gearbeitet, ein richtiger Kraftakt, bei dem es ausnahmsweise mal von Vorteil ist, möglichst viel Körpergewicht auf die Waage zu bringen. Die Stanze wird in ein 150 °C heißes Bonbonteigfeld gelegt. Leichter gesagt als getan. Dieser Arbeitsschritt und der genaue Zeitpunkt dafür verlangen dem Bonbonkocher im wahrsten Sinne des Wortes viel Fingerspitzengefühl und jede Menge Erfahrung mit der klebrigen Materie ab.
bonbonkocherei3bonbonkocherei4bonbonkocherei5Ganz ohne Einsatz von Maschinen werden die sogenannten Rocksbonbons hergestellt. (Man erinnere sich an die bunten, platten Lollys mit Blumenmotiven und farbigem Rand.) Hier ist höchste Bonbonkochkunst angesagt. Mit flinken Fingern werden einzelne Teige dem Motiv entsprechend zusammengelegt und zu einer Rolle von etwa 20 cm Durchmesser geformt, die dann fingerdick ausgezogen wird. Damit sich das Muster in dieser Teilstange nicht verformt, wird sie so lange gerollt, bis alles ausgekühlt ist. Und dann in Scheiben gehackt. Ein skandinavischer Bonbonprofi hält übrigens den Motiv-Rekord mit 23 lesbaren Buchstaben in einem kleinen Bonbon.
Das Thema Bonbon ist also alles andere als “abgelutscht”, und wer eben nicht nur kulinarisches, sondern auch technisches oder künstlerisches Interesse an diesen winzigen Süßwerken hat, sollte bei seinem nächsten Abstecher an die Ostsee doch einmal in Eckernförde vorbeischauen. Einen Online-Shop gibt es nicht, aber die Möglichkeit, sich ganz “traditionell” per Telefon- oder E-Mail-Bestellung  seine Lieblingbonbons schicken zu lassen.
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Bonbonkocherei Hermann Hinrichs
Frau-Clara-Straße 22
24340 Eckernförde
Telefon: 04351 / 88 99 86
www.bonbonkocherei.de

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