Ferran Adrià oder Chemiebausatz für “Erwachsene Kinder”

Mit 7 Jahren bekommt man zu Weihnachten einen Chemiebausatz um kleinere Experimente durchführen zu können. Heute ist es so, dass die Interessen weiterhin geblieben sind und wir Männer nach wie vor noch Kinder sind, nur dass man jetzt einen Chemiebausatz von Ferran Adrià bekommt.

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In heisser Erwartung auf das was in den bunten Dosen steckt, reiße ich ganz nervös alle auf, doch man sieht nicht viel, nur weisse Pülverchen, Silberbesteck und eine Spritze. Hm.. also ohne Anleitung kommt man hier bestimmt nicht weit. Ich mach mich schlau, kaufe eine Waage, die auf 1g genau wiegt (komme mir vor wie ein Drogendealer) und suche nach Arbeitsanweisungen.

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Natürlich frage ich auch Florian, denn er hat das große Kochbuch von Ferran Adrià. Dieses Buch ist ein Wahnsinn, tolle Grafiken, Bilder und die Rezepte, die zum Nachmachen animieren. Es wird aber auch schnell deutlich, dass es wesentlich aufwendiger ist, als einen Fischfond oder Gemüsefond vorzubereiten. Bevor ich also mit meinem ersten Experiment beginne, lese und studiere ich ausgiebig.

Eine Woche später wage ich es, mit der großen Bastelei zu beginnen. Ich wähle mir Mangocaviar. Zunächst mixe ich viele Mangos mit ein bißchen Zitrone und etwas Zucker zu einem Mangopüree. Dann verrühre ich 250g dieses Extrakts mit genau 1,3g Algin in einer Schüssel (alles steril – versteht sich von selbst).
Was passiert nun? Die Salze der Alginsäure werden allgemein als Alginate bezeichnet und das Alginat wirkt nun als Verdickungs- oder Geliermittel und genau das passiert nun mit meiner Mango. Laut Anweisung soll nun die eingerührte Luft wieder entweichen und die Masse daher ruhig stehen, nach 45 Minuten darf man das Mangopüree endlich in eine Spritze füllen.
In der Zwischenzeit mischt man sich eine Kalziumchlorid-Lösung (kaltes Wasser und Calcite) in eine Schale, in die man dann mit der Spritze kleine Tröpfchen reinträufelt. Tja, in der Lösung ist E 509, wird als Festigungsmittel, Geschmacksverstärker oder Stabilisator eingesetzt und kann auch als Streusalz verwendet werden (das beruhigt mich?). Nun bildet sich um die Mangokügelchen eine kleine Haut.

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Eine mühselige Arbeit ist das, Tröpfchen für Tröpfchen für Tröpfchen vergeht auch die Zeit und man braucht für ein bißchen “Mangocaviar” gute 3 Stunden, in der Zeit kann man ein ganzes Menü kochen! Übung gehört auch dazu, immer die gleiche Größe als Tröpfchen in die Lösung zu drücken. Das muß ich noch lernen!
Aber es macht Spaß, ist was Neues und das Resultat schaut gut aus.

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Trotzdem – ohne Anleitung, einer super-genauen Waage und einer Menge Geduld braucht man sich an sowas gar nicht wagen. Von den Kosten, die ich für diesen fruchtigen Caviar ausgegeben habe, hätte ich mir auch eine 500g Dose echten Beluga kaufen können. Vorteil: es stirbt kein Stör!

Serviert als Joghurtkaltschale mit Lakritzcarpaccio und Mangocaviar! (eine Explusion)

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Viel Spaß beim nach machen Euer Thomas

9 thoughts on “Ferran Adrià oder Chemiebausatz für “Erwachsene Kinder”

  1. 17. Januar 2007 at 22:38

    Hättens Dir mal als Kind an Chemiekasterl gschenckt….
    Wie wars am Termin…. Bist schon zurück?

  2. 17. Januar 2007 at 22:38

    Haben Sie ja. Damals habe ich das Kinderzimmer in die Luft gejagt.

  3. 18. Januar 2007 at 22:38

    Kannst froh sein dast nochwas geschenckt bekommen hast…..
    Von mir gibts zum Geburtstag an TNT Baukasten, dann kannst das Büro wegsprengen

  4. Ullrike
    21. Januar 2007 at 22:38

    Muß man das haben? Neeeeeeeeeeeeeeeee.

  5. 22. Januar 2007 at 22:38

    Tja, dass ist die Frage, ich wollte es ausprobieren und es schmeckt schon lustig, es ist aber ein Wahnsinn wenn man Bestandteile eines Menüs damit schmückt. Als Man kann ich schon sagen es weckt das Kind und den Bastlertrieb in einem.

  6. Marcus Lüders
    5. Februar 2007 at 22:38

    Bitte, bitte: Schreibt den Namen des Meisters richtig: Der gute Herr heißt Adrià mit Nachnamen, nicht Adrian…

  7. 6. Februar 2007 at 22:38

    Sorry hast recht… man wie peinlich… war wohl doch ein bischen spät wie ich den Artikel ins Netz gestellt habe? Danke für den Hinweis…

  8. s.braeger
    24. Februar 2007 at 22:38

    Hallo Thomas,
    bekomt man die Zutaten in der Apotheke oder kannst Du mir nen Einkaufs-Tip geben?
    Woher kann man flüssigen Stickstoff bekommen?

  9. 25. Februar 2007 at 22:38

    Hm? Hallo Braeger, die Zutaten bekommst du über http://www.buchgourmet.com kannst ja mal schauen. Aber Stickstoff bekommt man bei Linde direkt ist aber nicht so leicht.

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