Haimhauser ART 2022

Haimhausen kreativ zum Jubiläumsjahr, die HaimhauserART lockt trotz Regen viele kunstaffine Leute in den Ort.

Zur Erföffnungsvernissage am Freitag sind alle Künstler, Pressevertreter:innen und Freunde geladen gewesen. Die Einleitungs- und Vorstellungsworte von Marja-Leena Varpio zeigten die große Freude, endlich einmal wieder eine Ausstellung wie diese zeigen zu dürfen. Marja-Leena Varpio wies darauf hin, wie schwierig ein Leben ohne Kunst und Musik sei, denn ohne Kreativität gebe es keine Problemlösungen oder neue Erfindungen. Zudem ging ein besonderer Dank an das Organisationsteam, Karin Jost, Mette Therbild, Dörthe von Haniel und Andreas Schiebel.

HaimhauserARTSo tummelten sich am Wochenende darauf rund um die Schlossbrauerei viele Besucher, die im Rahmen der „HaimhauserART 2022“ die geöffneten Ateliers besichtigen konnten. 27 Künstler stellten ihre Werke an verschiedenen Stellen zur Schau.

IMG_8475 IMG_8474Die Künstler zeigten sich von ihrer besten Seite, mit Weißwein, Kuchen und Musik luden sie zum Verweilen ein.

Das Wetter ließ alle zwar ein bischen im Stich und versuchte mit Regen die Besucher zu verscheuchen, was ihm aber nicht gelang. Die Gäste kamen auch mit dem Auto von München bzw. von den umliegenden Orten, um Kunst zu sehen.

Wer die Kunsttour wie gewohnt in der Kulturkneipe begann, hatte dieses Jahr kein Glück, diese war leider geschlossen. Dies war in den Flyern zwar angekündigt, aber wie so oft, siegte hier manchmal die Gewohnheit.
In der WeinWerkstatt stellte der Künstler und Bayernbotschafter Thomas Neumann aus. Seine Darstellungen auf Karton nannte er RECYCLEDART, so malte er auf Verpackungskartons seine tanzenden Trachtler und zeigte, es muss nicht immer das teuerste Material sein, um Bilder malen zu können und setzte somit ein Zeichen, auch in der malerischen Kunst auf das Einsparen von Ressourcen zu achten und zu verwenden, was gerade im Überfluss vorhanden ist, Kartonage.
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Auch in der WeinWerkstatt zeigte Alexander Müller, bekannt als Fotograf, dieses Jahr andere Wege und präsentierte Feinart-Illustrationen verschiedener französischer Oldtimer. Die wohl durchdachten und auch auf der Fläche perfekt aufgeteilten Arbeiten waren hinter Glas oder auch auf Fotokarton gedruckt, mal mit Rahmen, mal ohne Rahmen. Gut gedacht und perfekt ausgeführt war der goldene Schnitt und sein Auge für architektonische Feinheit zu sehen.
In der WeinWerkstatt selbst konnten die Gäste ausgewählte und besondere Weine vom Önologen Sebastian Lerchl probieren und auch kaufen.
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Am Punkt 9 traf man die aquarellierende Familie Schröder mit ihrem wunderschönen Garten und den Koikarpfen im Teich. Alleine das ist schon ein Spaziergang wert. Rund um den Garten präsentierte die Familie Schröder Aquarelle verschiedenster Themen, von Toskana bis Afrika war über Blumen und Darstellungen des Haimhauser Schloss alles vertreten. Das Können ist ausser Zweifel, man sieht den Bildern das Handwerk an. An den Wänden hängen ca. 200 fein gerahmte Bilder. Der große Aufwand, diese in der richtigen Höhe anzubringen und darzusetellen, ist schon enorm.
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Weiter die Straße hinunter in der Dorfstraße war das junge Ausnahmetalent Vitus Jaap zu sehen. Schon im Vorfeld der HaimhauserArt wurde über den 16-jährigen Schüler diskutiert. Er malt Portrait, egal ob auf Papier, Karton oder Leinwand. Von Freunden, Bekannten bis hin zu Alfred Hitchcock PSYCHO, die Bilder sind teils kleiner als DIN A4, haben aber eine Kraft wie A0. Mit lockerem Strich und wenig kleinteiligen Details zeigt er das wesentliche des Gesichtes, die Mimik und Form. Auch Landschaftsbilder sind Teil seiner Ausstellung, die ebenso locker Wolkenbildungen zeigen, als würden diese geradewegs aus dem Bild ziehen und vorbeifliegen. Wir können noch gespannt sein, was wir von dem jungen Künstler sehen werden, wenn Vitus Jaap ausgelernt hat.
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Zu den Ausstellungsräumen von Andreas Schiebel, Bernhard Küchle und Christoph von Haniel musste man ein Stückchen weiter zur alten Brennerei gehen. Jetzt im Moment befindet sich dort eine Schreinerwerkstatt und dient den Künstlern als Ausstellungsraum. Andreas Schiebel, der auch als Bühnenmaler von Haimhausen tätig war, überrascht mit realistisch-surrealistischer Malerei. Er selbst sagt, er habe sich von der Ikonenmalerei inspirieren lassen und so den jetzigen Stil entwickelt. Sein Können ist nicht zu übersehen, Portrait perfekt, sein Spiel mit den Farben, um Stimmungen zu erzeugen ist hervorragend. Daneben stehen fein ausgearbeitete Holzarbeiten, 3D-Werke aus Holz und verbrannte Kohle konserviert als Bild, jeweils von Bernhard Küchle und Christoph von Haniel.
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Zurück Richtung Brauerei durfte man einen Blick in das Atelier des Bildhauers Wolfgang Sand wagen. Der anerkannte Künstler ist mit vielen Werken an prominenten Plätzen in München und Umgebung vertreten. Gleich am Eingang seiner Werkstatt begrüßten uns lebensgroße Figuren, teils liegend auf einem Felsblock oder sitzend auf Holzstaffeleien, am Boden lagen Motorsägen, was von schwerer Arbeit zeugt. Im Inneren des Ateliers angekommen zeigte Sand neue Werke, Skulpturen aus Holz und Guss, synergetisch schmelzen die Materialien hier zusammen. Man möchte die Figuren berühren oder auf jeden Fall lange ansehen.
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Im Atelier von Karin Lübbers werden Fotografien von Persönlichkeiten aus Haimhausen gezeigt. Auf großem Fotopapier ausgedruckt und mit Passepartout umrandet, bleiben diese mit dem dunklen Hintergrund und wohl ausgeleuchteten Gesichtern dem Betrachter wohlwollend im Blickfeld. Die Bilder halten an den Geschichten und den Erinnerungen der Haimhauser fest. Ein Klick, und wie schnell ist unser Leben vorbei, vielleicht soll genau das ein Innehalten in der Flutwelle der vielen Fotos, die wir machen, sein. Nur ein Foto genügt, um das wirklich Wichtige auszudrücken.
Am Samstag Abend fand spontan noch ein Konzert in den Räumen statt, die Gäste haben sich mit Live Jazz verwöhnen lassen.
IMG_8483 IMG_8482Auf dem Gelände der alten Schlossbrauerei waren gleich mehrere Besichtigungspunkte. Dörthe von Haniel überarbeitete alte Leinwände, auf denen schon Kunst war, diese wurden zu neuen Kunstwerken mit neuen Inhalten. Das Wiederverwenden und Neudenken alter Kunst ist auch hier ein Thema. Daneben stellte Isabella Richter ihre Mixed Media Projekte aus. Die gut gedachten und auch fein ausgearbeiteten Arbeiten hatten in der Halle einen schönen Rahmen. Gegenüber konnte Karin Jost ihr Fotokönnen zeigen. Stukturen, Flächen und Materialien in hohem Kontrast. Der Blick auf ein jeweiliges Detail war gut gewählt, die Farben von monocrome bis zu einer leichten Buntheit waren sehr ausgewogen.
Von der Künstlerin Anna Gauck konnte man in ihren Feinartzeichnungen von Panda- bis Pferdekopf wieder sehen, wie perfekt sie mit Stift umgehen kann. Mette Therbilds Werke kommen aus den 60ern. Viel Emotion beinhalten die Bilder, eine Frau mit Möwenkopf, ein Mann im Anzug und ein Fischskelett in einer Telefonzelle. Die Bilder erinnern an Max Beckmann, von dem die Künstlerin sehr inspiriert wurde.
Walter Drechsler entführte uns in die Unterwasserwelt, der leindenschaftliche Taucher und Fotograf bringt uns die schöne und unheimliche Tiefe der Meere und Seen ans Tageslicht. Fische im richtigen Licht darzustellen, ist nicht leicht, um so schöner ist es diese bei Tageslicht zu betrachten.
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Im unteren der Schlossbrauerei hing die Kunst von der Wand, an der Wand und war am Boden ausgelegt, dazu wurde eine Musikperformance präsentiert. Michele Bernardis Metallskulpturen waren im Innenhof verteilt. Das Wetter ließ es nicht so zu, alles länger zu betrachten, schade. Am Eingang dann die Musikinstallation von Brigitta Breidenbrücker, in Form von Formeln und Thesen über physikalische Quantenmechanik von Hand auf Papierfahnen geschrieben, die von der Decke hängen. Beleuchtet mit einer Lichtquelle sieht es ein wenig aus wie chinesischer Papyrus. Weiter im Raum die Welleninstallation von Michael Berwanger, stark, gewaltig kommt die Bildinstallation auf den Betrachter zu, die geringe Raumhöhe gibt der Welle noch mehr Druck und schwemmt den Zuschauer fast um. In dem kleineren Raum daneben waren feine Grafiken von Alfred Ulrich zu sehen, feingliedrig, zart und leicht stehen sie im starken Kontrast zur Welleninstallation.
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In der Hauptstraße 2, etwas versteckt in der Zürich Versicherung, zeigen Gabi Heigl und Stefanie Ihlefeld was sie können. Gabi Heigl ist mit quadratisch gesetzen Flächen und Strukturen vertreten, erdige Farben im goldenen Schnitt verteilt. Hell und dunkel, warm und kalt gegenübergestellt. Stefanie Ihlefeld mischt ihre Darstellungen, sie zeigt rein abstrakte Bilder teils von Schrift oder Tiermotiven unterbrochen, aber auch Blumen und Stilleben. Wie sie selbst sagt, eine Richtung ist zu langweilig, die Abwechslung und das Neue ist der Reiz des Malens.

Künstler: Dörthe von Haniel, Thomas Neumann, Alexnder Müller, Vitus Jaap, Michael Berwanger, Gabi Heigl, Isabella Richter, Alfred Ulrich, Liz Schinzler, Karin Jost, Bernhard Küchle, Andreas Schiebel, Christof von Haniel, Stefanie Ihlefeldt, Wolfgang Sand, Walter Drechsler, Anna Gauck, Mette Therbild, Uschi Schröder, Maxi Schröder, Andreas Schröder, Michele Bernardi, Brigitta Breidenbrücker, Karin Schürmann, Angela Pilz-Köhler und Schüler+innen der BIS

Text: Thomas Neumann
Bilder: Thomas Neumann, Stefanie Ihlefeldt