In der Küche eines Kraters / Zu Gast bei Joachim Kaiser

Wirtshaus Meyers Keller
Marienhöhe 8
86720 Nördlingen
Telefon +43(0) 90 81 44 93
Telefax +43(0) 90 81 2 49 31
restaurant@meyerskeller.de
www.meyerskeller.de

Das helle Leuchten einer Sternschnuppe lässt Romantiker. Blöd nur, wenn der Brocken ausnahmsweise nicht verglüht und in seiner ganzen Pracht vom Himmel fällt. Das passiert jetzt nicht aller Tage, aber wenn doch, dann hinterlässt der kosmische Volltreffer stattliche Spuren. Im konkreten Fall einen gigantischen Krater mit 25 Kilometern Durchmesser, auf denen heute – 14,5 Millionen Jahre später – Stoppelrüben, Rosa Tannenzapfen, Blaue Schweden und ein fröhlicher Gourmet-Koch ein köstliches Miteinander genießen. Mit schwungvollen Kreationen aus herdnah gewachsenen Produkten engagiert sich Joachim Kaiser, Jeunes Restaurateures der ersten Stunde, im Nördlinger Ries für die Vielfalt der regionalen Identität. Für apero – das kulinarische Esspapier – haben wir den 46-Jährigen in Nördlingen besucht. 

Joachim Kaiser ist nicht etwa ein Spaß befreiter Missionar oder gar ein progressiver Weltverbesserer. Nein, ganz im Gegenteil. Der Weg ist das Ziel und erst der Spaß an der Sache Garant dafür, diese auch ernst zunehmen. Schlechte Laune jedenfalls gibt es auf Marienhöhe 8 in etwa so häufig wie Weißwürste in der Provence. Echte Freude steckt eben an, breitet sich aus und erfüllt. Auch den Gaumen. Inspiriert etwa durch hausgemachten Culatello. Auch wenn die von Metzgermeister Gerhard Schreitmüller veredelte, knochenfreie Hälfte einer Schweinekeule zweifelsohne keine schwäbische Erfindung ist, Joachim Kaiser hat der im eigenen Kellergewölbe gereiften Spezialität längst seinen eigenen Rieser Stempel aufgedrückt. So unbürokratisch lustorientiert ist er eben, der 1,95 Meter große Spitzenkoch. Schließlich ist das Leben die Kunst der Begegnung und das Staunen seit jeher Ursprung der Neugierde. 

 

 

Alles, was man in Meyers Keller geboten bekommt – ob nun engagierte Landküche oder ambitionierte Kreativküche – ist Vergnügen pur. Zeitgemäße Gastronomie nennt sich das im Hause Kaiser. Essen und Trinken sollen Spaß machen. Das hat der heutige Hausherr von seiner Mutter, einer Brauerin, gelernt, die Meyers Keller noch als einfaches Gasthaus geführt hatte. Bis er, der gebürtige Nördlinger, nach Hotelfachschule Speisser am Tegernsee und Lehre in der Kupferpfanne in Fürth, den Charme der meterdicken Mauern entdeckte, hinter denen vor 25 Jahren noch Bier in 10 Meter Tiefe gelagert wurde. So ganz allmählich und sehr besonnen habe man sich dann in Richtung Gourmetrestaurant bewegt und dabei kontinuierlich die Stammkundschaft verloren. Dass das keine leichte Zeit war, darf an dieser Stelle als Redundanz verstanden werden. Doch Joachim Kaiser (15 Gault Millau Punkte) hat es geschafft. Mit einer gesunden Portion Spaß. „Ich bin eben gerne Gast und deshalb auch gerne Wirt.“


 

 

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