ISARGOLD nicht mehr Grinsekatze

ISARGOLD
Ismaningerstraße 48
81675 München
www.restaurant-isargold.de/

Als regelmäßige Gäste des Rubico testeten meine Frau, die 2 Kinder und ich natürlich auch kurz nach der Eröffnung das neue Isargold in der Ismaninger Strasse. Der erste Eindruck beim Betreten des schmuck eingerichteten Lokals ist die schiere Größe des ehemaligen VOX-Restaurants “Die Grinsekatze”. Komplett von Kitsch und Schnick-Schnack befreit, wirkt der helle Raum mit braun-goldener Einrichtung nicht ungemütlich, aber irgendwie unfertig und fast ein wenig leer.

An einem Dienstagabend gegen 20:30 Uhr waren immerhin 9 Tische besetzt, was in der Speisehalle nach wenig aussieht, aber akustisch dank beachtlichem Hall für belebte Stimmung sorgte.
Unser Kellner bemühte sich sofort um uns und ging auch auf die Kinder ein, denen er Maracuja-Saft und Limonade schmackhaft machte. Dass er nach dem Servieren um ein Dankeschön bettelte, weil er “extra für den Saft in der Keller gelaufen” sei, mag daran liegen, dass er permanent und vor den Gästen von einer offensichtlich genervten Kollegin in zu kurzen Jeans mit Parkwärter-Weste angeschnauzt wurde. Nachdem dieses Problem aber ausgeräumt war, machte der routinierte Service-Mann seinen Job aber engagiert und ohne Tadel.

Als Amuse-Bouche servierte die Küche eine Fenchel-Terrine mit ein wenig Salat. Nicht mehr als ein Happen aber ein gelungener Einstieg auf einer Linie mit den übrigen Speisen auf der Karte. Dazu 2 Brotsorten mit hausgemachten Aufstrichen. Lecker!
Mit Kids im Gepäck und auch der Uhrzeit geschuldet, verzichteten wir auf eine Vorspeise und gingen direkt zum Hauptgang über. Das Highlight war hier klar ein Galloway-Entrecote – aus dem Rubico ja bestens bekannt – mit “Wurzeln, Knollen und Trieben”. Das hervorragende Ausgangsprodukt wird von der Küche präzise nach Wunsch des Gastes gegart und bringt ein bemerkenswertes Aroma mit sich. Serviert mit allerlei Wurzelgemüse und einer großzügigen Portion des hauseigenen Jus, ist dieses Steak für moderate € 21 eine klare Empfehlung wert. Die Kinder teilten sich das Kalbsfilet im Wirsingmantel, das perfekt gegart auf Pfifferlings-Gemüse und beherzt abgeschmecktem Pastinaken-Püree serviert wird und für € 19 fast schon als Schnäppchen durchgeht. Der Karotten-Jus dazu fällt für manche sicherlich in die Kategorie “muss nicht sein”, der Rest dieser Komposition war aber durchaus stimmig und lecker. Ob man dem Gast gut kaschiert den Anschnitt des Filets unterjubelt sei jeder Küche selbst überlassen.

Verliererin des Abends war leider meine Gattin, die sich für das Wiener Schnitzel für € 18 entschied, das ja ebenfalls regelmäßig die Karte des Rubico ziert und dort eine sichere Bank ist. Der Kellner schaute bei Ihrer Bestellung noch verwundert drein und fragte nach, ob sich die zierliche Dame diese Portion auch zutraue. Wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass keine ganze Portion mehr im Haus war und das erst zu spät auffiel. Jedenfalls erreichte die “Riesenportion” meine Frau in Form von zwei knapp handtellergroßen Schnitzeln, deren Panade beim rausbacken doch sehr blass geblieben war. Begleitet wurde dieses Trauerspiel von handwerklich tadellosen Bratkartoffeln und einer Senf-Dill-Sauce, die woanders als Remoulade gereicht wird. Der zugehörige Gurkensalat war klassisch zubereitet.

Ein gemischter Dessert-Teller für alle war ein guter Einblick in die gesamte Palette des Patissier-Postens im Isargold. Topfenknödel mit Nougat gefüllt passten gut zum Stil der Küche, ebenso wie ein Aprikosen-Küchlein.

Am Ende des Abends bleibt das Gefühl, dass hier einfach vieles noch nicht eingespielt war. Die brave Karte setzt auf gute regionale Produkte, die Weinauswahl gibt schon in der Gegend von € 30 passable Österreichische Weine her und das Preis-Leistungsverhältnis ist klar im Wohlfühl-Bereich. Ein weiterer Besuch wird zeigen müssen, ob das Team inzwischen funktioniert.

P.G.W.

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