LONDON eine Kurzreise wert!

Wer schon einmal in London war, der weiß: Diese Stadt ist viele Reisen wert. Fünf-Uhr-Tee und königlicher Empire-Stil auf der einen Seite, ambitionierte Architekturprojekte wie das Tate Modern Museum, Szenedesigner und ein urbanes Lebensgefühl auf der anderen – nirgendwo sonst kommen sich Tradition und Moderne so nahe und verstehen sich dabei so prächtig.

Doch egal ob royal und feudal oder jung und extravagant, das Besondere an dieser Stadt ist ihre Lässigkeit. Stoisch nennen es manche, aber wer sich mit dem Strom des Alltags treiben lässt, einmal an der Themse entlangschlendert, wenn die Menschen zur Mittagspause aus ihren Büros kommen, der spürt sofort diese unverkrampfte, unaufgeregte Art.

Dabei gibt es unendlich viel Aufregendes zu erleben, selbst eine Fahrt mit der „London Tube“ – übrigens das älteste U-Bahn-Netz der Welt – ist ein kleines Abenteuer für sich. Allerdings sind die Züge so ziemlich das Einzige, was in London Verspätung hat.

 

Viel häufiger ist man hier nämlich der Zeit voraus. London steht für Innovation, Bewegung und Entwicklung, mit ihrem Pulsschlag gibt die Hauptstadt den Takt an. Führende Trends haben hier ihren Ursprung, im Design genauso wie in der Mode oder Kunst.

 

Küchenkosmos London

Der einzigartige Rhythmus der Stadt fasziniert seit jeher Menschen aus allen Kontinenten, vielleicht auch, weil sie ihn überhaupt erst möglich machen: London ist Schmelztiegel der Kulturen, und so ist es kein Wunder, dass man sich auch kulinarisch beinahe die ganze Welt auf der Zunge zergehen lassen kann. Von äthiopisch bis zypriotisch, von Bio-Fast-Food bis zur veganen Küche bietet keine andere europäische Stadt ein derartiges Kaleidoskop an Alternativen auf dem Teller. Ein erklärter Evergreen der Londoner ist zum Beispiel die libanesische Küche. Unser Tipp: Die besten Kebabs der Stadt gibt es entlang der Edgware Road am Hyde Park.

Indien ist in
Als besonders hip gilt derzeit die „Neue Indische Küche“. London ist die Stadt mit der größten indischen Kolonie in Europa, daher scheint es nur konsequent, dass der Edel-Inder auf dem Vormarsch ist. Auch die Londoner Starköche hantieren virtuos mit Kardamom, Kreuzkümmel und Ingwer und verpassen dieser sehr alten Traditionsküche rund um Chicken Tikka und Tandoori-Lamm mit frischen Gastronomiekonzepten einen zeitgemäßen Anstrich. Besonders gut gelungen ist das dem „Amaya bar & grill“ im schicken Shoppingviertel Knightsbridge. Mit tollem Interior-Design, offener Kochtheke und mehreren Tandoori-Öfen ist man eindeutig im indischen Schlaraffenland angekommen. Immer wieder kommen kleine Leckereien aus der Küche, zum Beispiel gebackene Süßkartoffelwürfel mit Joghurt und würziger Sauce und natürlich das obligatorische Curry-Huhn. Fazit: Das „Amaya“ ist rundum gelungen – in ist, wer drin isst (Infos und Adresse unter www.amaya.biz).

Hunger auf Design
Wem es allerdings nicht reicht, nur beim Essen auf Trends zu setzen, gehört vermutlich zu den Anhängern der „Ess-Thetik“. Mit dieser Wortschöpfung beschreibt der bekannte Trendforscher Matthias Horx die Entwicklung zum „Restaurant als Gesamtkunstwerk“. Nach diesem Prinzip werden immer öfter Top-Restaurants zu ambitionierten Design­tempeln, Lokale werden von Stararchitekten oder Modeschöpfern entworfen. Ein Beispiel dafür ist das „Canteen“ im trendigen Spitalfields Market, das von der englischen Tageszeitung „Observer“ zum besten britischen Restaurant 2007 gekürt wurde. Moderne britische Küche, serviert in ebenso modernem Understatement. Besonders augenfällig sind die großen, kommunikativen Tische, das macht das „Canteen“ trotz seines hohen Designanspruchs angenehm unkompliziert (www.canteen.co.uk).

Auch jenseits von London ist England längst kein Niemandsland mehr in Sachen Highclass-Esskultur: 14 der 50 besten Gourmetlokale der Welt befinden sich in England – zumindest wenn man einer Jury aus 600 Fachleuten glaubt, die von der britischen Tageszeitung „The Guardian“ um ihre Meinung gebeten wurden. Noch objektiver zeigt es der Guide Michelin: Allein in London gibt es über 30 mit Sternen ausgezeichnete Spitzenrestaurants. Und selbst das (angeblich) beste Restaurant der Welt hat man nahe London ausgemacht: „The Fat Duck“, Heston Blumenthals Laborküche, macht Kochen und Essen zu einem extravaganten Experiment.

3-Sterne-Koch Heston Blumenthals „The Fat Duck“ ist das angeblich beste Restaurant der Welt. Der Guardian charakterisierte seine Küche einmal mit der knappen Zeile: „Mixe Schneckenbrei mit Sardinen-auf-Toast-Sorbet, und du hast eine fette Ente.“ In jedem Fall wird Blumen­thals Laborküche heftig diskutiert und ist allein deshalb in aller Munde. „The Fat Duck“ ist Essen als Happening. High Street, Bray SL6 2AQ, Berkshire, www.fatduck.co.uk

Weiter berichteten wir schon über das E&O, ZUMA, ROKA, MAZE…..

Very British, very good
Doch auch zurück auf dem Boden der kulinarischen Tatsachen geht es seit einiger Zeit äußerst schmackhaft zu. Die traditionellen Kneipen haben ihren Sinn für Humor nicht verloren, aber den für guten Geschmack entdeckt. Würstchen, Chips und Sandwich zum Feierabendbier sind passé. Dem neuen, jungen Publikum wird in Gastro-Pubs leichte Küche serviert, unverschnörkelt und oft mediterran angehaucht. Zu den besten gehört das „Anchor & Hope“ in Waterloo.

Die Liste der Tipps und Trends könnte ewig so weitergehen, und auch das ist charakteristisch für diese Stadt – ein Ende der Ideen ist zum Glück nicht in Sicht. An London kann man sich einfach nicht sattsehen, also bleiben Sie hungrig auf Neues!

Books for Cooks
Ein Mekka für Hobbyköche und Bücherwürmer: ein wunderbarer, liebevoller Laden in Notting Hill – randvoll mit Köstlichkeiten, wie sie im Buche stehen. Mit Testküche und Workshops! www.booksforcooks.com

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