Thüringen feiert sein Porzellan!

Am 11. und 12. April 2015: hinter die Kulissen schauen, Tradition und
Design entdecken und Porzellan genießen

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Die Geschichte und Gegenwart des „weißen Goldes“ stehen am zweiten Tag des Thüringer Porzellans im Fokus: Unter dem Motto „Zeitgefühl – zwischen damals und Dir“ wird am 11. und
12. April 2015 die über 250jährige Handwerkstradition im Freistaat lebendig: Manufakturen und
Porzelliner geben spannende Einblicke in ihre Arbeit, auf Märkten werden kunstvolle
Porzellanobjekte angeboten, kreative Workshops laden zum Mitmachen ein und Sterneköche und
Sommeliers entführen die Besucher in die Welt der Genüsse.porzellan3
Im Zentrum des diesjährigen Festtages steht die Porzellanmanufaktur Weimar: Hier findet am
11. April um 10 Uhr die offizielle Eröffnung mit allen Porzellinern sowie deren vielfältigsten
Produkten auf einer „ZeitTafel“ statt. Anschließend kann man den Porzellankünstlern des 21.
Jahrhunderts in der Fabrikhalle bei ganztägigen Führungen über die Schulter schauen.
Mitmachaktionen im Café und Werksverkauf laden zum Verweilen ein. Reisen wie in alten Zeiten
kann man in der Kutsche zwischen der Manufaktur und dem Frühlingsfest in Blankenhain. Auch
die Aelteste Porzellanmanufaktur Volkstedt zeigt die Herausforderungen und Schwierigkeiten
der Herstellung des „weißen Goldes“ und bietet Interessierten unter dem Motto „Kunst oder
Kitsch“ an, ihr Porzellan von Experten des Kunst- und Auktionshauses Wendl schätzen zu lassen
(12. April, 14-16 Uhr).

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Ihr Glück selbst in die Hand nehmen können die Teilnehmer beim Workshop „Glück gestalten“ in
der Neuen Porzellanfabrik Triptis. Aus diesem Anlass wird dort das Schauatelier geöffnet, in
dem Besucher mit fachlicher Unterstützung der Designerin Claudia Bischoff ihre eigenen
Schmuckstücke kreieren können. Die von KAHLA/Thüringen Porzellan organisierte Lesung „
Zeit für mich! Die Kunst des guten Lebens entdecken.“ ist ein Plädoyer für die Pause und animiert
zur Achtsamkeit (Beginn 19 Uhr). Dazu lädt der Werksverkauf beim Late-Shopping zum Stöbern
und Kaufen ohne Zeitdruck.

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Genussvoll geht es in der Porzellanmanufaktur Reichenbach zu, wo Sternekoch Oliver Rüder in
einer Koch-Show in die Welt der Aromen einführt (12. April, 11/13/15 Uhr) – nachdem am
11.April Führungen durch die Manufaktur, Bemalen von Porzellan für die jüngsten Gäste und
Porzellan im Sonderverkauf angeboten wurden. Einblicke in die historische Porzellanherstellung
und die Welt des Porzellanmalens bietet die Porzellanmanufaktur Wagner + Apel LIPPELSDORF
gemeinsam mit Bettina Thieme und dem nahegelegenen Milch-Ziegenhof an. Hier stehen auch
Ziegenkäse-Verkostung und ein Streichelzoo auf dem Programm. Kaffee- und Porzellanliebhaber
kommen schließlich auf der Leuchtenburg voll auf ihre Kosten: Gemeinsam mit
KAHLA/Thüringen Porzellan laden hier Kaffeehersteller und Barista zum Kaffeegenuss gestern
und heute ein. Die Besucherinnen und Besucher erwartet zudem in den „Porzellanwelten
Leuchtenburg“ eine interaktive und spannende Reise durch die Geschichte des Porzellans. Auf dem 20 Meter langen Skywalk der Wünsche bringen Scherben Glück!

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Das Porzellan-Handwerk hat in Thüringen eine über 250jährige Tradition: Vom Weimarer Porzellan über die Aelteste Porzellanmanufaktur Volkstedt, die Porzellanmanufaktur Reichenbach bis hin zu Kämmer Porzellan, der Neuen Porzellanfabrik Triptis GmbH und Wagner + Apel Lippelsdorf – sie und viele andere Firmen stehen für die Seele des Porzellans in Thüringen. Was mit Macheleid begann, wandelte sich vom exklusiven Einzelstück zum bezahlbaren Produkt für alle. Die Hersteller führten Ende des 19. Jahrhunderts den Markt an und Thüringer Tischporzellan, Spielwaren oder Isolatoren reisten um die ganze Welt. Bis 1902 entstanden über 300 Porzellanmanufakturen. Heute ist Thüringer Porzellan mehr als Teller und Tasse. Es gibt 40 Porzelliner, die sich durch eine einzigartige Produktvielfalt auszeichnen: von der Spitzenballerina bis zum modernen Service aus hauchdünnem Biskuitporzellan.

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Die Erlebnisorte am Tag des Thüringer Porzellans in der Übersicht:
Weimar Porzellan, Aelteste Porzellanmanufaktur Volkstedt, Wagner + Apel mit Porzellanmalerin Bettina Thieme, KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, Rudolf Kämmer GmbH, Könitz Porzellan,
Christel Kämmer Porzellanmanufaktur, Porzellanmanufaktur Reichenbach, Neuen Porzellanfabrik Triptis GmbH, Porzellanwelten Leuchtenburg, Porzellanfabrik Hermsdorf, KATI ZORN porzellan Kunst, Dornburger Schlösser, Heidecksburg Rudolstadt, Schloss friedenstein
www.porzellantag.de/

Thüringer Porzellan im Aufwind! Thüringer Porzellanmanufakturen im Wandel – vom Kombinat der DDR-Zeit, dem Überlebenskampf der auf sich gestellten Manufakturen in der Nachwendezeit bis zur Leuchtenburg

Es tut sich etwas in Thüringen: Das weiße Gold, das Thüringer Porzellan, erlebt eine Renaissance im Freistaat. Nicht viele der ehemals etablierten und zur DDR-Zeit renommierten Manufakturen haben die Nachwendezeit überlebt. Dort wo einst 300 Betriebe angesiedelt waren, produzieren heute immerhin noch ca. 40 Firmen. Der Weg dorthin war nicht leicht. „Schließlich,“ so Annett Geithe von der Manufaktur Reichenbach, „waren wir alle nach der Wende auf uns selbst gestellt. Wir waren zu DDR-Zeiten alle in einem Kombinat zusammengeschlossen und mussten von heute auf morgen lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, obwohl für uns das westdeutsche Wirtschaftssystem absolutes Neuland war.“

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Es geht aufwärts
Ein Hersteller, der es geschafft hat, sich sowohl auf dem nationalen wie auf dem internationalen Markt zu positionieren, ist der traditionsreiche Porzellanhersteller KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH. Nach der Privatisierung und der Übernahme des Betriebs 1994 durch den ehemaligen Manager von Rosenthal Günther Raithel musste sich die Firma dem heftigen Strukturwandel in der Porzellanindustrie stellen. Durch die Modernisierung der Anlagen und innovative Design-Ideen, wie der Porzellanserie touch! mit Samtoberfläche oder beschreibbare Teller sowie rutschsicheres Porzellan, hat es KAHLA geschafft, die turbulenten Zeiten zu überstehen. Erst seit vergangenem Jahr können der Thüringer Betrieb und andere industrielle Porzellanhersteller wieder ein merkliches Umsatzplus verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr profitiert KAHLA in diesem Jahr sogar mit einem Umsatzplus von über 25 Prozent von der gestiegenen Nachfrage im In- und Ausland. Die Erkenntnis, dass die Branche auf die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen reagiert und die Produkte den neuen Lifestyle-Bedürfnissen anpassen muss, hat dem Gewerbe in Verbindung mit der wiedergewonnen Kaufkraft der Bevölkerung zu einen neuen Aufschwung verholfen. Auch Reichenbach Porzellan, die heute drei Marken weiterführen und aus dem traditionellen kobaltblau-gold Dekoren auf barocken Formen kommen, haben sich einen neuen Markt erschlossen. Erfolgreich lassen sie ihre Formen mit namhaften Designern modern interpretieren. Paola Navone, die Mailänder Designerin, hat aus der Tradition Kostbares, Innovatives für die Thüringer Tischkultur geschaffen.

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Visionäre und die Visionen
Porzellan ist das wiederentdeckte historische Kapital Thüringens. Die Geschichte des „weißen Goldes“, die in Thüringen anders verlaufen ist als in Meissen und Bayern, rückt wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen im Freistaat. Spürbar ist diese neue Begeisterung für das Material und der Stolz auf die lange Tradition an ganz unterschiedlichen Stellen. So entstanden im letzten Jahr die Porzellanwelten auf der Leuchtenburg, die sich gezielt dem Thüringer Porzellan widmet und über die größte Sammlung historischer Thüringer Porzellane verfügt. Auch touristisch erkennt der Freistaat das Potenzial, das im Thema Porzellan und seinen unzähligen Geschichten steckt. Die Thüringer Porzellanstraße, die rund 50 Orte von Bad Blankenburg über Kahla und Seitenroda bis Veilsdorf verbindet, ist hierfür nur ein Beispiel. Sie wurde 1992 vom „Thüringer Porzellanstraße“ e. V. initiiert.

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Neue Dynamik in die Porzellanszene Thüringens brachten die Porzellanwelten in den Gemäuern der mittelalterlichen Leuchtenburg. Auch sie entstanden, wie die Porzellanstraße, durch privates Engagement und aus Leidenschaft für die einst in alle Welt verschifften Porzellanerzeugnisse der Region. Dabei verfolgt das Haus einen ganz eigenen Ansatz, der historische Vermittlung, Sinnlichkeit, Lifestyle und Aktivität miteinander verbindet. Jede der insgesamt sieben Porzellanwelten wurde von renommierten Designern und Ausstellungsgestaltern konzipiert. „Unser Ziel war es, dem Besucher über die Vermittlung der Geschichte des Porzellans und der Thüringer Erzeugnisse hinaus, einen emotionalen, sinnlichen Zugang zu dem Thema anzubieten, der schon jetzt viele überrascht und begeistert“, erklärt Sven-Erik Hitzer, Stiftungsvorstand und Ideengeber der Porzellanwelten Leuchtenburg. „Es hat mich gereizt, die Bedeutung und den Glanz des Thüringer Porzellans, das seit Jahrhunderten unsere regionale Identität stark geprägt hat, wieder näher ins allgemeine Bewusstsein zu rücken“, so Hitzer weiter. „Daher habe ich mich entschlossen, in das weiße Gold als historisches Kapital unseres Landes zu investieren. Vor allem der Besuch der noch verbliebenen kleineren und größeren Manufakturen hat mir vor Augen geführt, welches enorme Potential in diesem fast vergessenen Thema steckt und wie tief es in der Seele Thüringens verankert ist. Diesen verborgenen Schatz zu heben und den Menschen in Thüringen wieder zurückzugeben, galt ab sofort meine ganze Leidenschaft“, schwärmt der Ideengeber. Auch wenn der Weg kein leichter ist und manche Ideen auf dem Scherbenhaufen landen, mit seiner Leidenschaft hat Hitzer bereits viel bewegt und die Politik auf das Thema aufmerksam gemacht. So wird in diesem Jahr zum zweiten Mal der „Tag des Thüringer Porzellans“ durchgeführt, dessen Schirmherr der Ministerpräsident des Freistaates, Bodo Ramelow (Linke) ist.

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Porzellan lebendig werden lassen Doch das Land Thüringen hat noch mehr vor: Derzeit werden mit Unterstützung der Thüringer Tourismus GmbH und zusammen mit den Porzellinern der Region neue touristische Konzepte erarbeitet und eine tragfähige Infrastruktur entworfen, um dem Thema noch mehr Leben einzuhauchen: „Ziel sei es“, so Bärbel Grönegres, Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus GmbH, „exklusive Manufakturbesichtigungen, Einkauf, Kulturerlebnis und Kulinarik für die Thüringer selbst, aber auch für Besucher aus dem In- und Ausland miteinander zu vernetzen – und zwar so, dass ein kulturelles Gesamterlebnis entsteht – überraschend, kreativ, made in Thüringen!“ Grönegres ist überzeugt: „Thüringer Tischkultur zeichnet sich durch eine besondere Kultur in Porzellan, Glas und Keramik aus, die das Kulinarische darauf zu einem besonderen, eben typisch thüringischen Genuss macht.“

 

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