Wein aus Brasilien besiegelt unseren WM Sieg

Noten von Ananas und Maracuja, Leder und Rauch

„Vale dos Vinhedos“ ist als erstes brasilianischen Weinanbaugebiet von der EU als zertifizierte Appelation annerkannt. 

Insgesamt: Als Exportprodukt zu teuer. Aber Weinkenner werden ihre Freuden an ausgewählten brasilianischen Tropfen haben.

Komplexe Frische, exotische Fruchtnoten, wie die von Ananas und grüner Banane, werden Wein aus Brasilien attestiert. Brasilien exportiert Merlot und Cabernet Sauvignon. Auch mineralische Weißweine wie den Chardonnay von „Pizzato“ 2009. „Casa Valduga“ offeriert einen Marselan im ledrigen Bordeauxstil – mit Noten von Tabak und frischem Fleisch.

Typischer Kritikpunkt: Manchmal ist die Barriquenote überdeutlich. Dafür bekommt das bekannteste brasilianische Weingut „Miolo“, den „Millesime“ im Champagnerstil  mit feinster Perlage hin – jetzt staunt die Welt. Wer hätte das gedacht, von einem tropischen Land, das bislang mit dem Export an Weltklassefußballern, Kaffee und Cachaça von sich reden machte.

Früher mischte die „Nona“ für die Kinder der italienischen Einwanderer Wasser mit Wein, zu Tisch gab man einen Schluck Wein in die Suppe – In Südbrasilien ist Wein seit 137 Jahren ein Lebenselixier.

Früher mischte die „Nona“ für die Kinder der italienischen Einwanderer Wasser mit Wein, zu Tisch gab man einen Schluck Wein in die Suppe – In Südbrasilien ist Wein seit über 130 Jahren ein Lebenselixier. Illustration: Apex Brasil, Fotos: Ibravin (Brasilianisches Weininstitut)

 

Brasilien ist in aller Munde: Als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013 und als Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 dürfte jeder in Deutschland von Brasilien gehört haben, noch dazu richtet Rio de Janeiro 2016 die Olympischen Spiele aus.

Der Milleniums-Hype brachte die Wende: Silvester 2000 war ein „Geschenk“ für die brasilianische Weinbranche, die auch Sekt produziert. Nicht nur am Strand von Copacabana knallten die Sektkorken. Auch am Amazonas oder im trockenen Nordosten, wo traditionell mit Bier und Caipirinha gefeiert wird, sprudelte plötzlich brasilianischer Schaumwein in die Gläser. Selbst arme Familien, und die der unteren Mittelschicht, die nie vorher mit Sekt feierten, leisteten sich zur Jahrtausendwende eine Flasche einheimischen „Espumante“.

Im Weinanbaugebiet „Vale dos vinhedos“, im tiefen Süden Brasilien, klingelten die Kassen: Das 200-Millionen-Volk der Brasilianer sanierte durch seine Endjahres-Konsumfreude so ganz nebenbei die eigenen Weingüter und Sektkellereien. Die Milleniums-Gewinner heißen: Aurora, Salton, Miolo und Casa Valduga, Pizzato und Cave Geisse. Alle aus dem bekanntesten Weinanbaugebiet des Landes: der Hochebene „Serra Gaúcha“.

Brasiliens Top-Weingüter sitzen im pittoresken  „Vale dos vinhedos“. Das Tal ist seit 2007 von der EU als zertifizierte Appelation anerkannt. In der an Norditalien erinnernden Hügellandschaft gibt es über 35 Weingüter, die 90 Prozent der brasilianischen Weine herstellen – mit Trauben aus den fünf brasilianischen Terroirs, die bis zu 6000 Kilometer voneinander entfernt liegen.

 

Im „vale dos vinhedos“ sind die Winter kalt (mit etlichen Tagen Frost) und die Sommer heiß:  „Regnet es während der Erntezeit, dann schaffen wir es nicht Top-Weine zu produzieren“.

Im „Vale dos vinhedos“ sind die Winter kalt (mit etlichen Tagen Frost) und die Sommer heiß:
„Regnet es während der Erntezeit, dann schaffen wir es nicht Top-Weine zu produzieren“. Foto: Ibravin

Die große Überraschung für Europa ist: Weinbau hat in Brasilien seit über 130 Jahren Tradition. Die Macher im brasilianischen Weinbusiness stammen von italienischen Einwanderern ab – alle tragen italienische Nachnamen. 1875 kamen die Valdugas, Terragnolos und Boscatos  halb verhungert aus dem Veneto in den Süden Brasiliens – und bauten ihre Heimat-Reben an. Aber das feuchte, subtropische Klima, Schimmel und Pilze bekamen den italienischen Trauben nicht. Und amerikanische Sorten ergaben minderwertigen Wein – bis Anfang der 90er Jahre galt Wein aus Brasilien als „untrinkbar“.

Der Aufschwung der Weinländer Chile und Argentinien stachelte  auch Nachbar Brasilien an.  Konsequent steckten die brasilianischen Weinbauern den Geldsegen aus dem Jahr 2000 in die Qualitätssteigerung ihrer Weine: Radikal tauschten sie die alten Rebstöcke aus – meist gegen französische Traubensorten, wie Merlot, Cabernet Franc, Tannat, Chardonnay und Pinot Noir. Sie spannten die Stöcke an Drahtrahmen – und  holten sich exklusive internationale Weinberatung: „Miolo“ zum Beispiel, arbeitet mit dem französischen Spitzen-Önologen  Michele Rolland. Seitdem ging es Schlag auf Schlag: Seit zehn Jahren setzt man auch auf Export.

Das subtropische Klima mit viel Regen, bringt andere Rotweine hervor, als Südafrika, oder Australien. „Betont frische Frucht, nicht übereif, erstaunlich elegant mit feiner Säure“, schreibt Jürgen Mathäß in der Weinwirtschaft über brasilianischen Wein. Deutsche und englische Weinkenner schätzen, dass die Brasilianer seltene Rebarten kultivieren, wie Marcelan, Tannat oder Touriga Nacional. Internationale Tester betonen: Brasil-Weine sind nicht schwer, sondern leicht, trocken und frisch. Sie enthalten wenig Alkohol und eine gute Säure, die angenehm zu vielen Speisen harmoniert. Sie passen zum Sommer – und unserer Vorstellung von den Tropen.

Man sieht nur, was man kennt – eine alte Wahrheit: Während deutsche Tester im Merlot und anderen Rotweinen oft die typischen Pflaumen, dunklen Waldbeeren und Pilzaromen beschreiben, werden in brasilianischen Gastro-Artikeln und Öno-Blogs Maracuja-Aromen, oft eine deutliche Ananasnote, auch  Kokosnuss und sogar ein Hauch Zuckerrohr bemerkt. Sicher ist: Wein aus Brasilien ist besonders reich an dem gesunden Antioxidanz Resveratrol. Um sich im feuchtwarmen Sommer, gegen Pilze und Schimmel zu schützen produziert die Traube diese Wundersubstanz in erhöhten Mengen.

Fazit: Als fünftgrößter Produzent der südlichen Hemisphere, gehört Brasilien inzwischen zur „cool crowd“ im Weinanbau – mit 3,3 Millionen Hektolitern Jahresproduktion, wobei Traubensaft hier mit eingerechnet wird. Das Land exportiert vor allem seine Spitzenweine – nach Großbritannien, Holland, in die USA – und nach Deutschland. Hier wächst das Interesse langsam, aber stetig. Importeur Helmut Fritzsche aus Grafing bei München setzt auf Direktkontakte zu Trendsettern, wie Sterne-Restaurants und aufgeschlossene Fachhändler, wie Dallmayr und die Galeria Kaufhof.

Seit einigen Jahren präsentiert sich „Vines of Brasil“ auf der ProWein-Messe in Düsseldorf. Auf der MundusVini hat der Aurora Reserva Tannat, Jahrgang 2009 einen Silbermedaille gewonnen. Daniel Salton, Gründer des gleichnamigen Weingutes:  ”Samba und Wein passen zusammen – wir möchten der Welt unsere Spitzenweine präsentieren“.                                                                    (Eva von Steinburg)

Quelle: www.eva-steinburg.de ,

Eva von Steinburg (46) besuchte sechs der Top-Weingüter in Südbrasilien. Als freie Journalistin ist sie auf Brasilien-Themen spezialisiert.

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