Yin Shi – Durchgestylter Einheitsbrei

YINSHI – Fresh Chinese Food & Drink
Schleissheimer Str. 182 • D 80797 München (Schwabing)
Tel. 089 / 306588 72 • Fax. 089 / 306588 73
Mail. info@yinshi.de


Seit April diesen Jahres tritt das Yin Shi in der Schleißheimer Strasse in München den Beweis an, dass sich China-Restaurants nicht zwangsläufig über Einrichtungs-Kitsch und Neonleuchten in allen Farben des Regenbogens definieren müssen.  Innenarchitektin Natalie Nguyn-Ton hat ja mit der Gestaltung des Monsieur Hu schon bewiesen, dass Sie in der Lage ist, einem Restaurant einen modern durchgestylten Look zu geben und trotzdem eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen.  Ebenso zeichnet Sie für das Raumkonzept des Yin Shi verantwortlich, dass mit Sicherheit das Highlight des neuen In-Chinesen in Schwabing ist.  Dunkle Tische und Stühle, helle Flächen, gute Lichteffekte und ein maßgefertigter bogenförmiger Raumteiler in Wenge zeigen schon von außen durch das große Schaufenster worauf hier das Konzept basiert.  Schöne Accessoires wie ein in die Wand eingelassener Flachbild-Fernseher, der Aquariumsszenen zeigt, geben dem Yin Shi einen besonderen Charme.

An einem Samstagabend ist der Gastraum bestens gefüllt, das gemischte Publikum setzt sich ebenso aus hippen Mittzwanzigern im Ausgeh-Outfit zusammen, wie aus schnauzbärtigen Jeanshemd-Trägern um Ende Vierzig samt dauergewellten Begleiterinnen.

Unser Tisch ist nah am großen Schaufenster, aber dennoch gemütlich, wie der ganze Laden.  Die Lichtstimmung wurde mit Fingerspitzengefühl erzeugt, der Raum wirkt luftig, ohne allerdings Hallencharakter zu entwickeln. Dieses angenehme Grundgefühl setzt sich auch in der dezenten Akustik des Raums fort, der mit loungiger Musik in ruhiger Lautstärke berieselt wird.  Chapeau!

Der aufmerksame Service in einheitlichem Schwarz und Lila bringt die Speisekarten schneller, als ich die Jacken an die Garderobe am andere Ende des Restaurants bringen kann.  Kaum wieder am Platz angekommen wird auch schon die Getränkebestellung aufgenommen, wobei der bemühte Herr mir beim besten Willen keinen Tee verkaufen möchte, sondern immer wieder auf seine Weißweine hinweist.  Dabei würde die Karte doch so eine schöne Auswahl an exotischen Tees bereithalten.

Außer den Tees finden sich über 80 verschiedene sauber sortierte Gerichte in der ansprechend gestalteten Essensfibel des Hauses.  Wir entscheiden uns für eine gemischte Vorspeise zu € 8,50 und eine Currysuppe mit Krokodil für € 6,80.  Danach soll es einmal Huhn mit Früchten im sogenannten Phönix-Nest sein und einmal Tiepan-Ente mit Tofu und Paprika.  € 12,50 und € 13,80 werden hierfür auf der Rechnung stehen, was uns in dieser ansprechenden Umgebung wie ein veritables Schnäppchen erscheint.  Insgesamt ist das Yin Shi nicht teuer.  Eine große Auswahl an offenen Weinen zwischen 5 und 6 € überzeugt ebenso wie ein breites Angebot an warmen und kalten Vorspeisen, Suppen und sonstigen Snacks für deutlich unter 10 €.  Die Hauptgerichte kratzen nur an der 20-Euro-Grenze, wenn die Zutaten aus dem Meer kommen und klangvolle Namen wie St. Jaques tragen.

Wir bewundern noch die stimmige Location und freuen uns über eine neue Alternative im westlichen Schwabing, als uns auch schon die Vorspeisen erreichen.  Trotz ausgebuchtem Gastraum arbeitet die Küche also zügig, womit aber auch schon das Positivste an diesem Gang ausgesprochen wäre.  Die Curry-Kokos-Suppe mit Krokodilfleisch und Pilzen ist leider überwürzt, und die erste Flasche Wasser deshalb schnell leergetrunken.  Es ist nicht die Schärfe, die stört, es ist der rustikale Einsatz von Palmzucker und Fischsauce – offensichtlich erfährt der Koch derzeit sehr viel Liebe.  Im krassen Gegensatz dazu sind die diversen Spieße, Frühlingsrollen und Wan-Tans unserer Vorspeisenplatte beängstigend belanglos.  Die erwartungsgemäß dazu gereichten Standard-Saucen in Erdnuss- und Süß-Sauer-Version sind wohl nicht hausgemacht.  So langsam können wir uns des Gefühls nicht erwehren, dass die Küche nicht ganz mit dem Design des Gastraums auf Augenhöhe ist.   Aber vielleicht wird ja bei den Hauptgängen alles besser.

Die Ente mit Tofu, die laut Bezeichnung auf der Karte eine Leibspeise des Kaisers sein soll, nährt unsere Hoffnung allerdings nicht und lässt vermuten, dass der Kaiser seine Prioritäten nicht im kulinarischen Bereich setzt.  Lieblos präsentiert, mit viel Tofu und wenig Ente kann die kaiserliche Komposition leider auch geschmacklich nicht überzeugen.  Der zweite Hauptgang hingegen hebt sich optisch deutlich ab, sieht in einem gebackenen Nest serviert sehr ansprechend aus.  Geschmacklich allerdings bleibt das Niveau konstant durchschnittlich inkl. Dosenfrüchten und Einheitssauce.  Diese Qualität gibt es auch in China-Lokalen der meisten Gewerbegebiete und wir fühlen uns unweigerlich an Einrichtungs-Kitsch und Neonleuchten erinnert.

Schade, dass die Küche nicht so recht zum phantastisch gestylten Lokal passen will.  Zu anderen etablierten Asiaten, wie dem Yum oder der Lotus Lounge fehlt es hier um Längen.  Da helfen auch die verhältnismäßig günstigen Preise nicht.  Dabei wäre doch so viel Potential da.  Der Service ist sehr freundlich, routiniert und zügig unterwegs, die Getränkeauswahl für ein China-Restaurant gerade zu herausragend.  Wir werden der Küche bei Gelegenheit eine zweite Chance geben.  Vielleicht hatte sie einfach keinen guten Abend erwischt.  Zu hoffen wäre es, denn auf eine gute Asia-Alternative mit so schönem Ambiente im Westen Schwabings möchten wir nur ungern verzichten.

One thought on “Yin Shi – Durchgestylter Einheitsbrei

  1. Alex
    2. November 2010 at 22:38

    Ein paar Wochen ist es erst her, als auch ich mit meinen Schwiegereltern dort war. Sie gehen sehr häufig asiatisch essen, was den Anschein in mir weckt, dass sie einen geschulten Gaumen haben. Den hohen Anspruch haben sie allemal.
    Entweder lag es an der Tatsache, dass ich der Freund ihrer Tochter bin, dass die Kritik aus blieb, oder es ist tatsächlich so, dass sie einen schlechten Tag erwischt haben.
    Ich war selbst auch eher positiv überrascht.
    Danke für den Beitrag.

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